Alles Leben ist rhythmisch. Das heißt, es wiederholt sich, aber es wiederholt sich nie hochpräzise, sondern reagiert auf Umwelteinflüsse. Es ist also eine Wiederholung mit Abweichungen: Alle Menschen werden jeden Tag müde, aber nicht jeden Tag zur gleichen Sekunde. Alle Systeme, der ganze menschliche Körper, der Blutkreislauf, die Hormonausschüttung laufen rhythmisch. Wenn die Belastung zu groß ist, reagiert das System: Der Herzinfarkt ist die Überlastung eines rhythmischen Systems durch den Takt. Denn der Takt ist Wiederholung ohne Abweichung. Wenn eine Stunde mal 60, mal 63, mal 58 Minuten lang wäre, dann ist die Uhr kaputt.
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Zeitforscher Karlheinz Geißler in Cicero
Pünktlich zur Nachurlaubszeit füllen sich die Medien wieder mit Fragen zum Umgang mit der “Zeit”. Interessant finde ich die Unterscheidung zwischen taktischer und rhythmischer Zeit. Der “Zeit-Takt” lässt funktionieren und ist dem Menschsein übergeordnet - die Zeit wird zum Trommler auf der Galeere. Wer aus dem Takt fällt, fällt aus dem “Raster” und “funktioniert” nicht mehr “richtig”. Das Leben aber ist rhythmisch und nicht quantisiert zum vorgegebenen Takt.
