30 August, 2012

Alles Leben ist rhythmisch. Das heißt, es wiederholt sich, aber es wiederholt sich nie hochpräzise, sondern reagiert auf Umwelteinflüsse. Es ist also eine Wiederholung mit Abweichungen: Alle Menschen werden jeden Tag müde, aber nicht jeden Tag zur gleichen Sekunde. Alle Systeme, der ganze menschliche Körper, der Blutkreislauf, die Hormonausschüttung laufen rhythmisch. Wenn die Belastung zu groß ist, reagiert das System: Der Herzinfarkt ist die Überlastung eines rhythmischen Systems durch den Takt. Denn der Takt ist Wiederholung ohne Abweichung. Wenn eine Stunde mal 60, mal 63, mal 58 Minuten lang wäre, dann ist die Uhr kaputt.

Zeitforscher Karlheinz Geißler in Cicero 

Pünktlich zur Nachurlaubszeit füllen sich die Medien wieder mit Fragen zum Umgang mit der “Zeit”. Interessant finde ich die Unterscheidung zwischen taktischer und rhythmischer Zeit. Der “Zeit-Takt” lässt funktionieren und ist dem Menschsein übergeordnet - die Zeit wird zum Trommler auf der Galeere. Wer aus dem Takt fällt, fällt aus dem “Raster” und “funktioniert” nicht mehr “richtig”. Das Leben aber ist rhythmisch und nicht quantisiert zum vorgegebenen Takt. 

27 Juni, 2012

Viele deutsche Schüler können einer Studie zufolge nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden. Etwa 40 Prozent sehen kaum Unterschiede zwischen Nationalsozialismus, der DDR sowie der Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung, ergab eine Untersuchung des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin. Die befragten Schüler glauben, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte seien in allen vier Systemen etwa gleich ausgeprägt.

Historisches Wissen: DDR und Drittes Reich – Schüler ahnungslos | Gesellschaft | ZEIT ONLINE

Es gibt so Meldungen, die so zwischendurch in meinem Newsreader reinflattern, unter jeder Skandalösität durchrutschen und mich nur noch mit offenem Mund auf den Bildschirm glotzen lassen, weil ich nicht glauben will, was da steht. 

Kein Unterschied zwischen Diktator und Demokratie? Ich hatte erst neulich bei Facebook so eine bescheuerte Diskussion über Kim-blabla-looking-at-things, die damit endete, dass mir lang und breit erklärt wurde, dass Politiker ÜBERALL und IMMER ALLE gleich sind, dass es KEINEN Unterschied macht, WO man lebt und dass Demokratie eine Lüge ist.

Nur soviel:

Wer nicht weiß, dass er in einem Rechtsstaat lebt, hält die Klappe, wenn sein Gewissen eine Position verlangt und wenn Unrecht geschieht. Und lebt in Angst, dass ständig etwas “Schlimmes” von “oben” passieren kann.

Ist das jetzt eine Generation der Duckmäuser? Oder der Ignoranten? Oder der Wohlstandsmaden, die gar nicht wissen, in was für einer Freiheit sie leben?

16 März, 2012
Kommentar zum Artikel in Die Zeit: Lernt zu teilen! Bevor es zu spät ist. Von Maximilian Probst und Kilian Trotier



Unverzichtbar wertlos


Dieser Artikel ist anbiedernd an die “neue” Netzkultur und bedient sich einer Argumentation, die auf tönernden Füßen steht. Wahrscheinlich braucht die Zeit jüngere Leser. Und dann wird munter nachgeplappert, was bei Twitter & Co die Runde macht. Mit Urheberrecht hat das nichts zu tun.
Und es gibt auch keine “neuen Geschäftsmodelle” für Künstler. kickstarter.com behält z. B. das gesamte Geld der Fans, wenn die Summe nicht zustande kommt. Gerissener kann man gar nicht Künstler und Fans auf einen Schlag in die Pfanne hauen.
Und noch etwas: Die Künstler melden sich nicht zu Wort? Das ist ja ein echter Witz! Natürlich melden die sich. Wie ich jetzt. Nur das schmeckt der Download-Süchtigen Copy&Paste Community ganz und gar nicht, was die sagen.
Künstler finden es nämlich nicht “hip”, wenn originäre Werke zerhackzückelt werden, wenn der Urheber nicht genannt wird, wenn nicht nur die “armen Kids” (wahrscheinlich alle ohne zahlungskräftige Eltern) sich in ungezügelter Gier alles einverleiben, was sich irgendwie herunterladen lässt, wenn auf YouTube zu meinen Songs ein völlig beklopptes “Fan”-Video läuft.
Künstler ziehen überall den Kürzeren: itunes zahlt z. B. von den 0,99 Cent ganze 0,09 Cents pro Song an den Künstler. Es gibt kein Mikro-Payment-System, das keine horrenden Gebühren erhebt.
Musik (oder im weiteren Sinne Kulturgut) wird als unverzichtbar betrachtet und ist zugleich wertlos, weil kaum einer dafür bezahlen will.
Foto: theconstantbuzz:©Tom Friedman

Kommentar zum Artikel in Die Zeit: Lernt zu teilen! Bevor es zu spät ist. Von Maximilian Probst und Kilian Trotier

Unverzichtbar wertlos

Dieser Artikel ist anbiedernd an die “neue” Netzkultur und bedient sich einer Argumentation, die auf tönernden Füßen steht. Wahrscheinlich braucht die Zeit jüngere Leser. Und dann wird munter nachgeplappert, was bei Twitter & Co die Runde macht. Mit Urheberrecht hat das nichts zu tun.

Und es gibt auch keine “neuen Geschäftsmodelle” für Künstler. kickstarter.com behält z. B. das gesamte Geld der Fans, wenn die Summe nicht zustande kommt. Gerissener kann man gar nicht Künstler und Fans auf einen Schlag in die Pfanne hauen.

Und noch etwas: Die Künstler melden sich nicht zu Wort? Das ist ja ein echter Witz! Natürlich melden die sich. Wie ich jetzt. Nur das schmeckt der Download-Süchtigen Copy&Paste Community ganz und gar nicht, was die sagen.

Künstler finden es nämlich nicht “hip”, wenn originäre Werke zerhackzückelt werden, wenn der Urheber nicht genannt wird, wenn nicht nur die “armen Kids” (wahrscheinlich alle ohne zahlungskräftige Eltern) sich in ungezügelter Gier alles einverleiben, was sich irgendwie herunterladen lässt, wenn auf YouTube zu meinen Songs ein völlig beklopptes “Fan”-Video läuft.

Künstler ziehen überall den Kürzeren: itunes zahlt z. B. von den 0,99 Cent ganze 0,09 Cents pro Song an den Künstler. Es gibt kein Mikro-Payment-System, das keine horrenden Gebühren erhebt.

Musik (oder im weiteren Sinne Kulturgut) wird als unverzichtbar betrachtet und ist zugleich wertlos, weil kaum einer dafür bezahlen will.

Foto: theconstantbuzz:©Tom Friedman

(via elkeringhausen)

21 Juni, 2011
“Ich fand so aber dieses verlassene Riesenrad mitten auf einer Wiese. Und  war         begeistert: Wer zum Teufel hat das aufgestellt? Wo sind all  die Leute hin, die hier mal         ausgelassen gefahren sind? Ich habe  mich zwei Tage lang davorgesetzt und geschaut. Einmal         kamen  drei Jungs vorbei, die haben sich daran hochgehangelt, und dann hat sich  das Rad         wieder langsam und ächzend mitgedreht.”
Wim Wenders in einem Interview zu seinem Fotobuch Places, strange and quiet, Die Zeit vom 21.6.11 (Foto nicht von Wenders)

Ich fand so aber dieses verlassene Riesenrad mitten auf einer Wiese. Und war begeistert: Wer zum Teufel hat das aufgestellt? Wo sind all die Leute hin, die hier mal ausgelassen gefahren sind? Ich habe mich zwei Tage lang davorgesetzt und geschaut. Einmal kamen drei Jungs vorbei, die haben sich daran hochgehangelt, und dann hat sich das Rad wieder langsam und ächzend mitgedreht.”

Wim Wenders in einem Interview zu seinem Fotobuch Places, strange and quiet, Die Zeit vom 21.6.11 (Foto nicht von Wenders)

(via cookiemonsterdiaries)