15 März, 2012

Das Geschlecht erscheint heute als letzte Bastion, die noch irgendwie geschleift werden müsste. Es wird umso wütender als Kategorie eingeklagt, je mehr man im Stillen ahnt, dass die Befreiung in nichts anderes als in berufliche Selbstverwirklichung und den damit einhergehenden Zurichtungen mündet. Indem man das Geschlecht überdeterminiert, vernebelt man den Freiheitsmangel einer Gesellschaft insgesamt. Um es marxistisch zu pointieren: Die Beschwörung des Geschlechts lenkt nur vom Unbehagen an den Produktionsverhältnissen ab. Das Selbstverwirklichte ist heute das Unfreie. Wer das Geschlecht mit einem trügerischen Freiheitsversprechen befrachtet, spricht doch nur wie ein Unternehmensberater: Er setzt auf Männer und Frauen, die über Kommunikations-, Kooperations- und Empathiefähigkeit verfügen, den Schmierstoffen des allerneuesten Kapitalismus. Wer von Frauen spricht, spricht in Wahrheit von keinem Geschlecht, sondern vom neuen Menschen.

Geschlechterrollen: Das Selbstverwirklichte ist heute das Unfreie | Lebensart | ZEIT ONLINE

26 Februar, 2012

Kann es sein, dass Frauen breiter fokussiert sind, sie keine Lust haben auf diese Jobs? Du hast einen Mann, Kinder, Freunde. In den Führungsjobs verbringt man 14 Stunden im Büro. Da braucht man eine Ehefrau im klassischen Sinne, die einem den Rest Privatleben organisiert. Ich habe früher immer gesagt, im nächsten Leben will ich eine Frau haben, die mir lauter Krempel vom Hals hält.

— Wibke Bruhns auf die Frage, warum in den Medien zwar viele Frauen arbeiten, die Führungspositionen aber hauptsächlich von Männern besetzt sind. Aus: "Wir werden nicht lange froh sein mit Gauck". Interview mit Wibke Bruhns von Barbara Nolte

8 März, 2011
Zum Internationalen Frauentag …
… wünsche ich mir einen neuen Feminismus, der sich nicht mehr an der Beziehung und Abgrenzung zum Mann orientiert. Ich wünsche mir einen Feminismus, bei dem im Vordergrund steht, dass eine Frau ihr Leben selbst gestalten muss und dabei unterstützt wird. Konsequente Eigenständigkeit im Denken und Handeln wären die Ideale dieses Feminismus.Ich wünsche mir auch einen Feminismus, der mir keine Solidarität mit anderen Frauen abverlangt, nur weil wir zufällig das gleiche Geschlecht haben.
Und ich wünsche mir einen Feminismus, der den Mut, den viele Frauen haben, anerkennt und unterstützt, statt sie in Opferrollen zu drängen.Und dann wünsche ich mir noch, dass die Mutterrolle entmystifiziert wird und eine Frau wegen ihrer natürlichen Fähigkeit, Kinder zu gebären, weder als Heilige gilt noch als Objekt männlicher Besitzansprüche, sondern einfach als Mensch, der Kinder bekommen kann.
Foto von Andriete le Secq

Zum Internationalen Frauentag …

… wünsche ich mir einen neuen Feminismus, der sich nicht mehr an der Beziehung und Abgrenzung zum Mann orientiert.

Ich wünsche mir einen Feminismus, bei dem im Vordergrund steht, dass eine Frau ihr Leben selbst gestalten muss und dabei unterstützt wird.

Konsequente Eigenständigkeit im Denken und Handeln wären die Ideale dieses Feminismus.

Ich wünsche mir auch einen Feminismus, der mir keine Solidarität mit anderen Frauen abverlangt, nur weil wir zufällig das gleiche Geschlecht haben.

Und ich wünsche mir einen Feminismus, der den Mut, den viele Frauen haben, anerkennt und unterstützt, statt sie in Opferrollen zu drängen.

Und dann wünsche ich mir noch, dass die Mutterrolle entmystifiziert wird und eine Frau wegen ihrer natürlichen Fähigkeit, Kinder zu gebären, weder als Heilige gilt noch als Objekt männlicher Besitzansprüche, sondern einfach als Mensch, der Kinder bekommen kann.

Foto von Andriete le Secq