15 März, 2012

Das Geschlecht erscheint heute als letzte Bastion, die noch irgendwie geschleift werden müsste. Es wird umso wütender als Kategorie eingeklagt, je mehr man im Stillen ahnt, dass die Befreiung in nichts anderes als in berufliche Selbstverwirklichung und den damit einhergehenden Zurichtungen mündet. Indem man das Geschlecht überdeterminiert, vernebelt man den Freiheitsmangel einer Gesellschaft insgesamt. Um es marxistisch zu pointieren: Die Beschwörung des Geschlechts lenkt nur vom Unbehagen an den Produktionsverhältnissen ab. Das Selbstverwirklichte ist heute das Unfreie. Wer das Geschlecht mit einem trügerischen Freiheitsversprechen befrachtet, spricht doch nur wie ein Unternehmensberater: Er setzt auf Männer und Frauen, die über Kommunikations-, Kooperations- und Empathiefähigkeit verfügen, den Schmierstoffen des allerneuesten Kapitalismus. Wer von Frauen spricht, spricht in Wahrheit von keinem Geschlecht, sondern vom neuen Menschen.

Geschlechterrollen: Das Selbstverwirklichte ist heute das Unfreie | Lebensart | ZEIT ONLINE

27 Mai, 2011
Mein Wort zum Freitag … und ich wusste gar nicht, dass “Schluss mit lustig” seinen Ursprung in der Frauenbewegung der 70er hat, ich dachte immer, damit hätte die CDU angefangen.
nevver: The New Inquiry

Mein Wort zum Freitag … und ich wusste gar nicht, dass “Schluss mit lustig” seinen Ursprung in der Frauenbewegung der 70er hat, ich dachte immer, damit hätte die CDU angefangen.

nevver: The New Inquiry

8 März, 2011
Zum Internationalen Frauentag …
… wünsche ich mir einen neuen Feminismus, der sich nicht mehr an der Beziehung und Abgrenzung zum Mann orientiert. Ich wünsche mir einen Feminismus, bei dem im Vordergrund steht, dass eine Frau ihr Leben selbst gestalten muss und dabei unterstützt wird. Konsequente Eigenständigkeit im Denken und Handeln wären die Ideale dieses Feminismus.Ich wünsche mir auch einen Feminismus, der mir keine Solidarität mit anderen Frauen abverlangt, nur weil wir zufällig das gleiche Geschlecht haben.
Und ich wünsche mir einen Feminismus, der den Mut, den viele Frauen haben, anerkennt und unterstützt, statt sie in Opferrollen zu drängen.Und dann wünsche ich mir noch, dass die Mutterrolle entmystifiziert wird und eine Frau wegen ihrer natürlichen Fähigkeit, Kinder zu gebären, weder als Heilige gilt noch als Objekt männlicher Besitzansprüche, sondern einfach als Mensch, der Kinder bekommen kann.
Foto von Andriete le Secq

Zum Internationalen Frauentag …

… wünsche ich mir einen neuen Feminismus, der sich nicht mehr an der Beziehung und Abgrenzung zum Mann orientiert.

Ich wünsche mir einen Feminismus, bei dem im Vordergrund steht, dass eine Frau ihr Leben selbst gestalten muss und dabei unterstützt wird.

Konsequente Eigenständigkeit im Denken und Handeln wären die Ideale dieses Feminismus.

Ich wünsche mir auch einen Feminismus, der mir keine Solidarität mit anderen Frauen abverlangt, nur weil wir zufällig das gleiche Geschlecht haben.

Und ich wünsche mir einen Feminismus, der den Mut, den viele Frauen haben, anerkennt und unterstützt, statt sie in Opferrollen zu drängen.

Und dann wünsche ich mir noch, dass die Mutterrolle entmystifiziert wird und eine Frau wegen ihrer natürlichen Fähigkeit, Kinder zu gebären, weder als Heilige gilt noch als Objekt männlicher Besitzansprüche, sondern einfach als Mensch, der Kinder bekommen kann.

Foto von Andriete le Secq

13 Februar, 2011
Fräulein wunderlich
"Fräulein, das klingt doch auch viel heller und lustiger, fröhlicher als die Frau, die einem wie ein Klotz vor die Füße plumpst" lese ich heute im Tagesspiegel. Nein, wir haben nicht 1954.
Autorin Susanne Kippenberger hat gemeinsam mit der Redaktion für den Sonntagsteil entdeckt, dass die Anrede Fräulein im Deutschen offensichtlich eine Renaissance erfährt. Immer mehr Frauen würden sich gern als Fräulein bezeichnen und das geschehe dann "selbstbewusst und ironisch".
Nach fleißigem Abarbeiten der mehr als überzeugenden Argumente, warum Fräulein 1972 als Anrede in Deutschland abgeschafft wurde - der Hauptgrund lässt sich mit der Boshaftigkeit "Ein Fräulein ist eine Frau, der zum Glück der Mann fehlt" (wobei “zum Glück” hier nicht als Ausdruck der Erleichterung gemeint ist) auf den Punkt bringen -, versucht sich die Autorin mit einem eleganten Seifenblasen-Bogen, der die Anrede Fräulein als Etikett der weiblichen Emanzipation neu definieren soll:
Fräulein - das waren die unverheirateten Berufstätigen in Jobs wie Telefonistin, Volksschullehrerin oder Krankenschwester, subalterne Beschäftigungen, die so gut zum weiblichen Wesen zu passen schienen. Nicht ganz optimal, räumt die Autorin ein, aber besser als gar nichts.
Was soll das denn heißen? Dankbarkeit und Demut dafür, dass die weibliche Emanzipation auf einem Spielfeld so groß wie eine Tischtennisplatte gegenüber der Vielfalt an Berufen “erlaubt” wurde? Ist jetzt mal ein anderes Konzept. Aber es passt auch irgendwie so schön zur medienauserkorenen Generation Fräulein - und zu der neu gelebten Piefigkeit von professioneller Mutterschaft bis hin zum mutwillig cool-geredeten Weekend-Event im Schrebergarten.
Der Artikel ist ein unheimlicher Eiertanz. Susanne Kippenberger scheint sich beim Schreiben selbst auf die Finger gehauen zu haben. "Schreib irgendetwas Positives über diesen Fräulein-Scheiß", hat sie wahrscheinlich vor sich hingemurmelt, "ich brauch’ das Geld …" 
Und dabei kam dann das heraus:  "Wenn Frauen sich heute selbst das Etikett umhängen, bekommt das leicht Schrullige, das dem Fräulein oft anhaftete, und das ja auch ein Ausdruck von Freiheit sein kann, etwas Liebenswürdiges. Aber Selbstbestimmung muss sein."
Gut, das hätten wir dann auch geklärt. Mir ist es auf jeden Fall lieber, als Frau bezeichnet zu werden und ich würde mir eher den Mund mit Gaffer Tape versiegeln, als mich in irgendeiner Form zu verniedlichen und damit selbst nicht für voll zu nehmen.  Wem das als “Klotz” oder “zu viel” erscheint, den muss ich ja nicht unbedingt näher kennen lernen.
Und wenn sich jetzt eine Leserin fragt, ob sie Frau oder Fräulein ist und sich das nicht selbst beantworten kann: Natürlich gibt es auch eine gleichnamige Zeitschrift, die das Ich-mach-jetzt-auf-selbstbewusst-und-ironisch-aber-nimm-mich-bloß-nicht-ernst-Lebensgefühl gekonnt in Szene setzt und an die zahlende Leserinnen- und Werbekundschaft vermarket.
*****
Foto:

Fräulein wunderlich

"Fräulein, das klingt doch auch viel heller und lustiger, fröhlicher als die Frau, die einem wie ein Klotz vor die Füße plumpst" lese ich heute im Tagesspiegel. Nein, wir haben nicht 1954.

Autorin Susanne Kippenberger hat gemeinsam mit der Redaktion für den Sonntagsteil entdeckt, dass die Anrede Fräulein im Deutschen offensichtlich eine Renaissance erfährt. Immer mehr Frauen würden sich gern als Fräulein bezeichnen und das geschehe dann "selbstbewusst und ironisch".

Nach fleißigem Abarbeiten der mehr als überzeugenden Argumente, warum Fräulein 1972 als Anrede in Deutschland abgeschafft wurde - der Hauptgrund lässt sich mit der Boshaftigkeit "Ein Fräulein ist eine Frau, der zum Glück der Mann fehlt" (wobei “zum Glück” hier nicht als Ausdruck der Erleichterung gemeint ist) auf den Punkt bringen -, versucht sich die Autorin mit einem eleganten Seifenblasen-Bogen, der die Anrede Fräulein als Etikett der weiblichen Emanzipation neu definieren soll:

Fräulein - das waren die unverheirateten Berufstätigen in Jobs wie Telefonistin, Volksschullehrerin oder Krankenschwester, subalterne Beschäftigungen, die so gut zum weiblichen Wesen zu passen schienen. Nicht ganz optimal, räumt die Autorin ein, aber besser als gar nichts.

Was soll das denn heißen? Dankbarkeit und Demut dafür, dass die weibliche Emanzipation auf einem Spielfeld so groß wie eine Tischtennisplatte gegenüber der Vielfalt an Berufen “erlaubt” wurde? Ist jetzt mal ein anderes Konzept. Aber es passt auch irgendwie so schön zur medienauserkorenen Generation Fräulein - und zu der neu gelebten Piefigkeit von professioneller Mutterschaft bis hin zum mutwillig cool-geredeten Weekend-Event im Schrebergarten.

Der Artikel ist ein unheimlicher Eiertanz. Susanne Kippenberger scheint sich beim Schreiben selbst auf die Finger gehauen zu haben. "Schreib irgendetwas Positives über diesen Fräulein-Scheiß", hat sie wahrscheinlich vor sich hingemurmelt, "ich brauch’ das Geld …"

Und dabei kam dann das heraus:  "Wenn Frauen sich heute selbst das Etikett umhängen, bekommt das leicht Schrullige, das dem Fräulein oft anhaftete, und das ja auch ein Ausdruck von Freiheit sein kann, etwas Liebenswürdiges. Aber Selbstbestimmung muss sein."

Gut, das hätten wir dann auch geklärt. Mir ist es auf jeden Fall lieber, als Frau bezeichnet zu werden und ich würde mir eher den Mund mit Gaffer Tape versiegeln, als mich in irgendeiner Form zu verniedlichen und damit selbst nicht für voll zu nehmen.  Wem das als “Klotz” oder “zu viel” erscheint, den muss ich ja nicht unbedingt näher kennen lernen.

Und wenn sich jetzt eine Leserin fragt, ob sie Frau oder Fräulein ist und sich das nicht selbst beantworten kann: Natürlich gibt es auch eine gleichnamige Zeitschrift, die das Ich-mach-jetzt-auf-selbstbewusst-und-ironisch-aber-nimm-mich-bloß-nicht-ernst-Lebensgefühl gekonnt in Szene setzt und an die zahlende Leserinnen- und Werbekundschaft vermarket.

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Foto:

(via lifeofliterature)