Kopfbesiedlungsprogramm
Ich finde die Vorstellung, wie Wim Wenders in der armenischen Steppe sitzt und zwei Tage lang auf ein verlassenes Riesenrad starrt, wirklich witzig. Gibt es davon auch ein Foto?
Dass Orte mehr von uns erzählen, “wenn keiner von uns zu sehen ist”, würde ich so jedoch nicht unterschreiben. Tatsächlich scheinen Menschen Wenders in seiner Interpretation der Welt zu stören, vielleicht, weil sich die Phantasie manchmal in menschenleerer Ödnis besser entfalten kann (oder muss).
Zugleich läuft meiner Meinung nach aber die Introspektion als Quelle der Kreativität immer auch Gefahr einer eitlen Nabelschau, was Wenders z. B. in “Bis ans Ende der Welt” thematisiert hat.
Mir gefällt seine Kritik an der organisierten Freizeitgesellschaft und richtig treffend finde ich seinen Kommentar zum digitalen Dauergeknipse, meist verbunden mit einer wahren Veröffentlichungsflut in Blogs und Social Media Plattformen:
“Sie trauen ihrer Erinnerung nicht, das ist das Traurige. Sie glauben nicht, dass etwas überhaupt existiert, sie selbst am wenigsten, wenn man keinen Beleg vorweisen kann.”
Sehr schön!