13 September, 2012
"Es war aber überhaupt nicht notwendig, die Beitragssätze auf einem derart niedrigen Niveau zu fixieren. Die deutschen Unternehmen sind eher zu wettbewerbsfähig, wenn man auf die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands innerhalb des europäischen Währungsraums schaut."
Dr. Rudolf Zwiener, Volkswirt, im Interview mit Cicero über Altersarmut in Deutschland und warum die Riester-Rente ein großer Fehler war.
Foto:

"Es war aber überhaupt nicht notwendig, die Beitragssätze auf einem derart niedrigen Niveau zu fixieren. Die deutschen Unternehmen sind eher zu wettbewerbsfähig, wenn man auf die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands innerhalb des europäischen Währungsraums schaut."

Dr. Rudolf Zwiener, Volkswirt, im Interview mit Cicero über Altersarmut in Deutschland und warum die Riester-Rente ein großer Fehler war.

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(Quelle: darkside744, via obsequiousness)

30 August, 2012

Alles Leben ist rhythmisch. Das heißt, es wiederholt sich, aber es wiederholt sich nie hochpräzise, sondern reagiert auf Umwelteinflüsse. Es ist also eine Wiederholung mit Abweichungen: Alle Menschen werden jeden Tag müde, aber nicht jeden Tag zur gleichen Sekunde. Alle Systeme, der ganze menschliche Körper, der Blutkreislauf, die Hormonausschüttung laufen rhythmisch. Wenn die Belastung zu groß ist, reagiert das System: Der Herzinfarkt ist die Überlastung eines rhythmischen Systems durch den Takt. Denn der Takt ist Wiederholung ohne Abweichung. Wenn eine Stunde mal 60, mal 63, mal 58 Minuten lang wäre, dann ist die Uhr kaputt.

Zeitforscher Karlheinz Geißler in Cicero 

Pünktlich zur Nachurlaubszeit füllen sich die Medien wieder mit Fragen zum Umgang mit der “Zeit”. Interessant finde ich die Unterscheidung zwischen taktischer und rhythmischer Zeit. Der “Zeit-Takt” lässt funktionieren und ist dem Menschsein übergeordnet - die Zeit wird zum Trommler auf der Galeere. Wer aus dem Takt fällt, fällt aus dem “Raster” und “funktioniert” nicht mehr “richtig”. Das Leben aber ist rhythmisch und nicht quantisiert zum vorgegebenen Takt. 

28 August, 2012

Kann man vom iPad essen?

http://www.zeit.de/sport/2012-08/tuvia-tenenbom-fitness-tipps-gehen-sex-abnehmen

Diese und Fragen wie, ob Sex schlank macht, beantwortet Tuvia Tenenbom, Ex-Schwergewicht aus der Zeit-Redaktion.

Obwohl ich natürlich rank und schlank bin - und fit wie ein Turnschuh -,  hab ich mich bei der Kolumne gut amüsiert. Und es stimmt, alle halbe Stunde vom Schreibtisch aufstehen, kann Wunder bewirken - bei den Ideen und beim Rücken. Schön auch die Idee, Fahradfahrer-Sozialdogmatiker in den Irak zu schicken.

12 Juli, 2012

'Poverty policies' aim to give neoliberal globalisation a human face. In fact, they have allowed for a continuation of the agendas that cause poverty in the first place.

Global poverty is a consequence of free-trade ideology - Public Service Europe

8 Juli, 2012
Resolution: UN-Menschenrechtsrat bestätigt die Gültigkeit der Menschenrechte auch im Internet
Bekräftigt, dass die gleichen Rechte, die Menschen offline haben, auch online geschützt werden müssen, insbesondere die Meinungsfreiheit, die ohne Rücksicht auf Grenzen und über Medien jeder Art der eigenen Wahl anwendbar ist, im Einklang mit Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte;
Anerkennt den globalen und offenen Charakter des Internets als treibende Kraft, die den Fortschritt auf dem Weg zu Entwicklung beschleunigt;
Fordert alle Staaten auf, den Zugang zum Internet und die internationale Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Medien-, Informations- und Kommunikationseinrichtungen in allen Ländern zu fördern und erleichtern;
Fördert besondere Verfahren, diese Fragen im Rahmen ihrer bestehenden Mandate, soweit zutreffend, zu berücksichtigen;
Beschließt, die Förderung, den Schutz und die Wahrnehmung der Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung, im Internet und in anderen Technologien, sowie die wichtige Rolle des Internets bei der Entwicklung und der Wahrnehmung der Menschenrechte auch weiterhin ihrem Arbeitsprogramm zu berücksichtigen.
Quelle: Netzpolitik.org

Resolution: UN-Menschenrechtsrat bestätigt die Gültigkeit der Menschenrechte auch im Internet

  1. Bekräftigt, dass die gleichen Rechte, die Menschen offline haben, auch online geschützt werden müssen, insbesondere die Meinungsfreiheit, die ohne Rücksicht auf Grenzen und über Medien jeder Art der eigenen Wahl anwendbar ist, im Einklang mit Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte;
  2. Anerkennt den globalen und offenen Charakter des Internets als treibende Kraft, die den Fortschritt auf dem Weg zu Entwicklung beschleunigt;
  3. Fordert alle Staaten auf, den Zugang zum Internet und die internationale Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Medien-, Informations- und Kommunikationseinrichtungen in allen Ländern zu fördern und erleichtern;
  4. Fördert besondere Verfahren, diese Fragen im Rahmen ihrer bestehenden Mandate, soweit zutreffend, zu berücksichtigen;
  5. Beschließt, die Förderung, den Schutz und die Wahrnehmung der Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung, im Internet und in anderen Technologien, sowie die wichtige Rolle des Internets bei der Entwicklung und der Wahrnehmung der Menschenrechte auch weiterhin ihrem Arbeitsprogramm zu berücksichtigen.

Quelle: Netzpolitik.org

(via nevver)

4 Juli, 2012
Softbox, Photoshop und Ventilator sei dank - jetzt gibt es ein richtig gutes Promo-Foto von mir.
Wenn R. und ich noch das kleine Wunder vollbringen, GEMEINSAM auf einem Bild blendend auszusehen, das wäre einfach wunderbar (auszusprechen wie Frau N. Hagen aus B. in “Helmut” auf Unbehagen).
Das neue Video für “Colossus” ist fertig und soll morgen online gehen. Arrriba!
thebrittnees

Softbox, Photoshop und Ventilator sei dank - jetzt gibt es ein richtig gutes Promo-Foto von mir.

Wenn R. und ich noch das kleine Wunder vollbringen, GEMEINSAM auf einem Bild blendend auszusehen, das wäre einfach wunderbar (auszusprechen wie Frau N. Hagen aus B. in “Helmut” auf Unbehagen).

Das neue Video für “Colossus” ist fertig und soll morgen online gehen. Arrriba!

thebrittnees

27 Juni, 2012

Viele deutsche Schüler können einer Studie zufolge nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden. Etwa 40 Prozent sehen kaum Unterschiede zwischen Nationalsozialismus, der DDR sowie der Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung, ergab eine Untersuchung des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin. Die befragten Schüler glauben, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte seien in allen vier Systemen etwa gleich ausgeprägt.

Historisches Wissen: DDR und Drittes Reich – Schüler ahnungslos | Gesellschaft | ZEIT ONLINE

Es gibt so Meldungen, die so zwischendurch in meinem Newsreader reinflattern, unter jeder Skandalösität durchrutschen und mich nur noch mit offenem Mund auf den Bildschirm glotzen lassen, weil ich nicht glauben will, was da steht. 

Kein Unterschied zwischen Diktator und Demokratie? Ich hatte erst neulich bei Facebook so eine bescheuerte Diskussion über Kim-blabla-looking-at-things, die damit endete, dass mir lang und breit erklärt wurde, dass Politiker ÜBERALL und IMMER ALLE gleich sind, dass es KEINEN Unterschied macht, WO man lebt und dass Demokratie eine Lüge ist.

Nur soviel:

Wer nicht weiß, dass er in einem Rechtsstaat lebt, hält die Klappe, wenn sein Gewissen eine Position verlangt und wenn Unrecht geschieht. Und lebt in Angst, dass ständig etwas “Schlimmes” von “oben” passieren kann.

Ist das jetzt eine Generation der Duckmäuser? Oder der Ignoranten? Oder der Wohlstandsmaden, die gar nicht wissen, in was für einer Freiheit sie leben?

18 Mai, 2012
Keine Rentenversicherungspflicht für Selbständige
"Die kürzlich von Bundesarbeitsministerin von der Leyen vorgestellten Pläne sehen einen gesetzlichen Zwang zum Abschließen einer Rentenversicherung für Selbstständige vor. Unter anderem sollen Selbstständige unter 30 Jahre zwischen 350 und 450 EUR monatlich für Rentenversicherung und zur Absicherung gegen Erwerbsminderung zahlen."  Aus der ePetition für den deutschen Bundestag.
Wer selbstständig ist und gegen die Zwangsversicherung, kann die Petition online unterzeichnen.
Foto über: reginasworld:Tokyo by Steffi Jung 

Keine Rentenversicherungspflicht für Selbständige

"Die kürzlich von Bundesarbeitsministerin von der Leyen vorgestellten Pläne sehen einen gesetzlichen Zwang zum Abschließen einer Rentenversicherung für Selbstständige vor. Unter anderem sollen Selbstständige unter 30 Jahre zwischen 350 und 450 EUR monatlich für Rentenversicherung und zur Absicherung gegen Erwerbsminderung zahlen."  Aus der ePetition für den deutschen Bundestag.

Wer selbstständig ist und gegen die Zwangsversicherung, kann die Petition online unterzeichnen.

Foto über: reginasworld:Tokyo by Steffi Jung 

11 Mai, 2012

Das Urheberrecht ermöglicht, dass wir Künstler und Autoren von unserer Arbeit leben können und schützt uns alle, auch vor global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt. Die alltägliche Präsenz und der Nutzen des Internets in unserem Leben kann keinen Diebstahl rechtfertigen und ist keine Entschuldigung für Gier oder Geiz.

Wir sind die Urheber!

6 April, 2012

Das Bashing-Klima wird in Deutschland zu einer emotionalen Konstante, zu einer moralischen Keule deren Kriterien gerade mal nach Bedarf zusammengestrickt werden. Jeden kann es treffen, der sich ein bisschen anders verhält. Nach der Methode ‘Stecht das Schwein, macht es tot!’ (Zitat William Golding) wird eine kleine, symbolische Eucharistie abgezogen. Was mich bedenklich stimmt ist, wann sind es nicht mehr einzelne, sondern wann werden es Gruppen und was mich noch bedenklicher stimmt ist, soll der Diskurs als kollektive Denkform komplett aus der Bevölkerung geprügelt werden.

— Leserkommentar von hansbaum zum Artikel Israel-Attacke: Was spricht in Günter Grass?von Michael Naumann, TS 6.4.2012

29 März, 2012

Das Bewusstsein für Werbung soll desensibilisiert werden. Auf TV-Werbung reagieren Konsumenten mittlerweile mit Vermeidung und Reaktanz, das heißt man sieht sie zwar, fühlt sich aber unwohl. Im Internet funktioniert Werbung häufig unauffälliger. Man registriert oft nicht, wie man eingebunden ist.

— Christoph Neuberger, Kommunikationswissenschaftler Universität München, zur Pflicht-Einführung der Timeline für Unternehmensseiten bei Facebook. Aus: FACEBOOK
Der nächste Schritt zum umfassenden Biografie-Portal

28 März, 2012
Selbstdressur für AnfängerProkrastination ist der neue Fachbegriff für die bekannte Aufschieberitis, die anscheinend immer mehr Menschen Probleme bereitet. Psychologen haben jetzt die Lösung gefunden: Murmeln. Und so geht’s:
Zwei Gläser auf den Schreibtisch stellen, ein leeres und eines mit Murmeln.
Dann die Aufgaben um die Hälfte reduzieren und für jedes erledigte “Element” eine Murmel von einem Glas ins andere legen.
Wow! Dass Psychologen zu dem Thema nicht mehr einfällt, als mit Murmeln zu spielen und zur Selbstdressur anzuhalten, ist erschreckend. Menschen sollen funktionieren und wenn das nicht klappt, sollen sie sich selbst mit einem Dressur-Akt wie kleine Äffchen auf Kurs bringen.Warum wird nicht der wahre Grund von “Aufschieberitis” beleuchtet? Nämlich die Fragen:
Mache ich überhaupt, was ich will? 
Und was will ich denn machen?
Freier Wille und Entscheidungskompetenz sind die Lösung. Und nicht kleine bunte Glasperlen.
Foto über:

Selbstdressur für Anfänger

Prokrastination ist der neue Fachbegriff für die bekannte Aufschieberitis, die anscheinend immer mehr Menschen Probleme bereitet.

Psychologen haben jetzt die Lösung gefunden: Murmeln.

Und so geht’s:

  • Zwei Gläser auf den Schreibtisch stellen, ein leeres und eines mit Murmeln.
  • Dann die Aufgaben um die Hälfte reduzieren und für jedes erledigte “Element” eine Murmel von einem Glas ins andere legen.


Wow! Dass Psychologen zu dem Thema nicht mehr einfällt, als mit Murmeln zu spielen und zur Selbstdressur anzuhalten, ist erschreckend. Menschen sollen funktionieren und wenn das nicht klappt, sollen sie sich selbst mit einem Dressur-Akt wie kleine Äffchen auf Kurs bringen.

Warum wird nicht der wahre Grund von “Aufschieberitis” beleuchtet? Nämlich die Fragen:

  • Mache ich überhaupt, was ich will? 
  • Und was will ich denn machen?


Freier Wille und Entscheidungskompetenz sind die Lösung. Und nicht kleine bunte Glasperlen.

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(via piercetheymas)

16 März, 2012
Kommentar zum Artikel in Die Zeit: Lernt zu teilen! Bevor es zu spät ist. Von Maximilian Probst und Kilian Trotier



Unverzichtbar wertlos


Dieser Artikel ist anbiedernd an die “neue” Netzkultur und bedient sich einer Argumentation, die auf tönernden Füßen steht. Wahrscheinlich braucht die Zeit jüngere Leser. Und dann wird munter nachgeplappert, was bei Twitter & Co die Runde macht. Mit Urheberrecht hat das nichts zu tun.
Und es gibt auch keine “neuen Geschäftsmodelle” für Künstler. kickstarter.com behält z. B. das gesamte Geld der Fans, wenn die Summe nicht zustande kommt. Gerissener kann man gar nicht Künstler und Fans auf einen Schlag in die Pfanne hauen.
Und noch etwas: Die Künstler melden sich nicht zu Wort? Das ist ja ein echter Witz! Natürlich melden die sich. Wie ich jetzt. Nur das schmeckt der Download-Süchtigen Copy&Paste Community ganz und gar nicht, was die sagen.
Künstler finden es nämlich nicht “hip”, wenn originäre Werke zerhackzückelt werden, wenn der Urheber nicht genannt wird, wenn nicht nur die “armen Kids” (wahrscheinlich alle ohne zahlungskräftige Eltern) sich in ungezügelter Gier alles einverleiben, was sich irgendwie herunterladen lässt, wenn auf YouTube zu meinen Songs ein völlig beklopptes “Fan”-Video läuft.
Künstler ziehen überall den Kürzeren: itunes zahlt z. B. von den 0,99 Cent ganze 0,09 Cents pro Song an den Künstler. Es gibt kein Mikro-Payment-System, das keine horrenden Gebühren erhebt.
Musik (oder im weiteren Sinne Kulturgut) wird als unverzichtbar betrachtet und ist zugleich wertlos, weil kaum einer dafür bezahlen will.
Foto: theconstantbuzz:©Tom Friedman

Kommentar zum Artikel in Die Zeit: Lernt zu teilen! Bevor es zu spät ist. Von Maximilian Probst und Kilian Trotier

Unverzichtbar wertlos

Dieser Artikel ist anbiedernd an die “neue” Netzkultur und bedient sich einer Argumentation, die auf tönernden Füßen steht. Wahrscheinlich braucht die Zeit jüngere Leser. Und dann wird munter nachgeplappert, was bei Twitter & Co die Runde macht. Mit Urheberrecht hat das nichts zu tun.

Und es gibt auch keine “neuen Geschäftsmodelle” für Künstler. kickstarter.com behält z. B. das gesamte Geld der Fans, wenn die Summe nicht zustande kommt. Gerissener kann man gar nicht Künstler und Fans auf einen Schlag in die Pfanne hauen.

Und noch etwas: Die Künstler melden sich nicht zu Wort? Das ist ja ein echter Witz! Natürlich melden die sich. Wie ich jetzt. Nur das schmeckt der Download-Süchtigen Copy&Paste Community ganz und gar nicht, was die sagen.

Künstler finden es nämlich nicht “hip”, wenn originäre Werke zerhackzückelt werden, wenn der Urheber nicht genannt wird, wenn nicht nur die “armen Kids” (wahrscheinlich alle ohne zahlungskräftige Eltern) sich in ungezügelter Gier alles einverleiben, was sich irgendwie herunterladen lässt, wenn auf YouTube zu meinen Songs ein völlig beklopptes “Fan”-Video läuft.

Künstler ziehen überall den Kürzeren: itunes zahlt z. B. von den 0,99 Cent ganze 0,09 Cents pro Song an den Künstler. Es gibt kein Mikro-Payment-System, das keine horrenden Gebühren erhebt.

Musik (oder im weiteren Sinne Kulturgut) wird als unverzichtbar betrachtet und ist zugleich wertlos, weil kaum einer dafür bezahlen will.

Foto: theconstantbuzz:©Tom Friedman

(via elkeringhausen)

15 März, 2012

Das Geschlecht erscheint heute als letzte Bastion, die noch irgendwie geschleift werden müsste. Es wird umso wütender als Kategorie eingeklagt, je mehr man im Stillen ahnt, dass die Befreiung in nichts anderes als in berufliche Selbstverwirklichung und den damit einhergehenden Zurichtungen mündet. Indem man das Geschlecht überdeterminiert, vernebelt man den Freiheitsmangel einer Gesellschaft insgesamt. Um es marxistisch zu pointieren: Die Beschwörung des Geschlechts lenkt nur vom Unbehagen an den Produktionsverhältnissen ab. Das Selbstverwirklichte ist heute das Unfreie. Wer das Geschlecht mit einem trügerischen Freiheitsversprechen befrachtet, spricht doch nur wie ein Unternehmensberater: Er setzt auf Männer und Frauen, die über Kommunikations-, Kooperations- und Empathiefähigkeit verfügen, den Schmierstoffen des allerneuesten Kapitalismus. Wer von Frauen spricht, spricht in Wahrheit von keinem Geschlecht, sondern vom neuen Menschen.

Geschlechterrollen: Das Selbstverwirklichte ist heute das Unfreie | Lebensart | ZEIT ONLINE